Rettungsdienstaufbau in Ostafrika
In Österreich dauert es nach dem Absetzen eines Notrufs maximal 15 Minuten bis Hilfe eintrifft. In vielen anderen Ländern ist das nicht der Fall. In Ruanda oder Äthiopien kann es zwischen 30 Minuten und ein paar Tagen dauern, bis der Rettungsdienst ankommt. Das Österreichische Rote Kreuz (ÖRK) nutzt sein Wissen, um andere Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften beim Aufbau eines Rettungsdienstes zu unterstützen.
Rettungsdienst in Ruanda aufbauen
Seit 2018 unterstützt das ÖRK mit finanzieller Unterstützung der Else-Fresenius-Kröner Stiftung und dem Landesverband Steiermark das Ruandische Rote Kreuz (RRCS) beim Aufbau eines Rettungsdienstes. Der Rettungsdienst spielt in Ruanda eine wichtige Rolle im Gesundheitssystem. Allerdings fehlte es bisher an Standards in Ausbildung und geeignetem Material zur Versorgung verletzter Personen. Auch einen täglichen Dienstbetrag gab es bisher nicht. Die Rettungsdienst-Expertin Rebecca Thomas vom ÖRK erinnert sich: "2019 traf ich ein fünfjähriges Mädchen in einem Krankenhaus. Sie war von einem Baum gefallen und hatte sich den Arm gebrochen, ein Schädelhirntrauma erlitten und hatte hohes Fieber. Sie musste zwei Tage auf einen Transport ins Zentralkrankenhaus in Kigali warten".
Geschichten wie diese gibt es viele. Es fehlen Kapazitäten im Land, um alle Patient:innen angemessen und zeitnah zu transportieren. Zusätzlich sind die Transportwege oftmals sehr lang, zwischen ein und drei Stunden. Straßen sind sehr schlecht ausgebaut und in den Regenzeiten oftmals kaum oder komplett unbefahrbar. Personen müssen häufig sehr lange auf Gesundheitsversorgung warten. Der Zugang zu Gesundheitsversorgung bei akuten Notfällen dauert oft zu lange.
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"2019 traf ich ein fünfjähriges Mädchen in einem Krankenhaus. Sie war von einem Baum gefallen und hatte sich den Arm gebrochen, ein Schädelhirntrauma erlitten und hatte hohes Fieber. Sie musste zwei Tage auf einen Transport ins Zentralkrankenhaus in Kigali warten."
- Rebecca Thomas, Rettungsdienst-Expertin
Österreicher:innen schulen ruandische Rettungssanitäter:innen
In den letzten fünf Jahren hat das ÖRK das RRCS unterstützt, die wesentlichen Standards zu etablieren und zwei vollbesetzte, gut ausgestatte Rettungswägen rund um die Uhr zu pilotieren. In enger Zusammenarbeit mit dem ruandischen Gesundheitsministerium wurde ein Ausbildungscurriculum vereinbart. 60 Mitarbeiter:innen wurden bereits ausgebildet. Ab 2024 werden trainierte Fachkräfte staatlich zertifiziert und national als Gesundheitspersonal anerkannt.
Um sicherzustellen, dass die Ausbildung fortgesetzt wird, auch nachdem das Projekt ausläuft, wurden lokale Trainer:innen von österreichischen Lehrsanitäter:innen vom ÖRK Landesverband Steiermark geschult. In der zweiten Phase des Projekts werden weitere Trainer:innen und Rettungssanitäter:innen ausgebildet. Gut ausgebildete Rettungssanitäter:innen werden gebraucht, um verletzte Personen vor und während des Krankentransports bereits richtig versorgen zu können und um lebensrettende Maßnahmen durchzuführen.
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Förderung von Qualitätsstandards im Rettungsdienst
Darüber hinaus wird die Qualität der Fortbildungen von Sanitäter:innen verbessert. Das ÖRK unterstützt das RRCS dabei, eine zertifizierte Fortbildungseinrichtung zu werden.
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Angesichts der zunehmenden Digitalisierung im Gesundheitswesen wird im Rahmen der zweiten Phase die Einführung eines digitalen Einsatzprotokolls angestrebt. Dies wird die Datenverarbeitung und die Benutzerfreundlichkeit im Rettungsdienst erheblich verbessern. In den nächsten Jahren will RRCS den Rettungsdienst in weiteren Provinzen anbieten und seine Kapazitäten im operativen Dienst und der Ausbildung erweitern.
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Rettungsdienst in Äthiopien ausbauen
Das Äthiopische Rote Kreuz (ERCS) betreibt seit vielen Jahren hunderte von Rettungswägen im ganzen Land. Manche davon sind sehr gut ausgestattet. Andere Rettungsautos sind einfach leer. Die Hauptaufgabe dieser Fahrzeuge liegt im Transport von Kranken und Verletzten, wobei die Versorgung der PatientInnen oft aufgrund mangelnder Ausbildung und Materialien nicht möglich ist. Darüber hinaus fehlt es in weiten Teilen des Landes an einem finanziellen oder strategischen Plan um zu garantieren, dass die Fahrzeuge rund um die Uhr einsatzbereit sind.
Konflikt verschärft Versorgungslage
Die Gesundheitsversorgung im Norden des Landes wurde durch den Tigray Konflikt von 2020 bis 2022 stark belastet. Tigray hatte vor dem Konflikt ein gut funktionierendes und finanziertes Gesundheitswesen. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind nun nur mehr 3 Prozent aller Gesundheitseinrichtungen funktionsfähig und es fehlt and Material, Medikamenten und Personal. Gesundheitseinrichtungen und Rettungswägen wurden während des Konflikts geplündert und angegriffen, Gesundheitspersonal bedroht und getötet. Daher wurden die Themen "Sicherheit im Einsatz" und "Sexual and Gender based Violence" im Ausbildungscurriculum für "ambulance attendants" aufgenommen.
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Neue Rettungsautos und mehr Rettungspersonal
Im Zuge eines durch die Europäische Union (EU) geförderten Projekts wurden 2023 fünf neue Rettungswägen für Amhara, eine anschließende und ebenfalls vom Konflikt in Tigray betroffene Region, gekauft. Zusätzlich wurden Personal und Trainer:innen nach dem neuen standardisierten Ausbildungsprogramm ausgebildet. Mitte 2024 soll ebenfalls eine Leitstelle, die die eingehenden Anrufe zentral sammelt und Ressourcen je nach Dringlichkeit besser verteilen soll, pilotiert werden.