Gesundheit und Pflege
Südkaukasus und Südosteuropa
Gesundheitsdienstleistungen für ältere Menschen
Die Alterung der Gesellschaft betrifft auch Länder im Südkaukasus und in Südosteuropa. Viele ältere Menschen leben allein in abgelegenen Regionen, sind von Altersarmut betroffen und haben Schwierigkeiten ihre Grundbedürfnisse zu decken. Eingeschränkte Mobilität, chronische Erkrankungen, eine schlechte öffentliche Infrastruktur und Defizite in der Gesundheitsversorgung kommen oft hinzu. Diese schwierigen Rahmenbedingungen betreffen auch pflegende Angehörige.
Sandra Tripunovic aus Bar in Montenegro betreut seit vielen Jahren ihren Bruder, der eine psychische Erkrankung hat. Davor pflegte sie 10 Jahre lang ihren Vater, der 93 Jahre alt wurde. Ihren verantwortungsvollen Job in der Marketingbranche gab sie auf, um sich um ihre Familie zu kümmern. Finanzielle oder andere Unterstützung gibt es für sie als pflegende Angehörige keine. Im Community Care Center des Roten Kreuzes erhält sie Hilfe und Beratung zu finanziellen oder organisatorischen Fragen. Weitere Angebote umfassen Aktivitäten zu gesundem Altern, wie Bewegungsangebote, präventive Hausbesuche oder Dienste für Menschen mit Demenz. "Am besten gefällt mir der Austausch mit anderen pflegenden Angehörigen – dadurch fühle ich mich mit meinen Sorgen und Ängsten nicht alleine gelassen– dafür bin ich sehr dankbar!"
Nach wie vor werden ältere Menschen überwiegend von An- und Zugehörigen wie Familie, Nachbar:innen oder Freund:innen betreut. Die Mehrheit davon sind Frauen. Der Bedarf an Sozial- und Gesundheitsdiensten, auch um pflegende Angehörige zu entlasten, ist groß. In Georgien werden derzeit zum Beispiel nur 3 Prozent des Bedarfs an mobiler Pflege- und Betreuung abgedeckt. Es fehlt an finanziellen und personellen Ressourcen, aber häufig auch an entsprechenden Standards und Vorgaben durch den Staat oder die Gemeinde. In Georgien unterstützt das Rote Kreuz pflegende Angehörige durch Trainings zu Themen wie Demenz und Erste Hilfe sowie den Aufbau von Selbsthilfegruppen und persönlichen Beratungen.
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Im Einsatz für pflegende Angehörige
Durch regelmäßige Aktivitäten im Bereich Advocacy war es möglich “Pflegende Angehörige” in Südosteuropa und im Südkaukasus sichtbar zu machen. Die Politik fängt an zu erkennen, dass pflegende Angehörige Unterstützung benötigen und die Nachfrage für professionelle Pflege und Betreuung zunimmt. "Der Einsatz für pflegende Angehörige und deren Anliegen ist mittlerweile ein wichtiger Teil unserer Rotkreuz-Arbeit geworden. Wir sind täglich bei den Menschen und wissen, wo die Probleme liegen und wo es Verbesserungsbedarf gibt", sagt Lika Imerlishvili. Sie arbeitet für das Österreichische Rote Kreuz (ÖRK) in der georgischen Hauptstadt Tiflis.
Pflegeheim in Armenien
Auch im Pflegeheim in Gyumri, Armenien steigt der Bedarf an Plätzen. Derzeit werden 160 ältere Personen betreut. Soziale und gesundheitsfördernde Aktivitäten die gemeinsam mit Personen aus der Gemeinde und Freiwilligen durchgeführt werden, erfreuen sich besonderer Beliebtheit. Ein wichtiger Punkt ist auch die Stärkung der Kapazitäten der MitarbeiterInnen und Freiwilligen vor Ort durch spezifische Trainings und Weiterbildungen um qualitätsvolle Betreuung und Pflege zu ermöglichen.
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Rufhilfe und soziales Taxi in Nordmazedonien
Innovative, wohnortnahe und abgestufte Dienstleistungen können einen wichtigen Beitrag für ältere Menschen sowie deren Angehörige leisten. In der Hauptstadt Skopje in Nordmazedonien werden seit kurzem ein "soziales Taxi" für ältere Menschen sowie die Rufhilfe angeboten. Diese Rotkreuz-Dienstleistungen werden durch Freiwillige und finanziell von der Gemeinde unterstützt. Sie wurden im Rahmen eines Business Development Programmes vom Nordmazedonischen Roten Kreuz (RCNM) entwickelt.
Das "soziale Taxi" ist ein Transportdienst für Menschen mit eingeschränkter Mobilität und führt großteils Transporte ins Krankenhaus oder zum Arzt durch und verbessert damit den Zugang zu Gesundheitsdiensten. Auch hier ist die Nachfrage enorm - bereits im ersten Jahr wurden 600 Personen transportiert. Die Rufhilfe bietet Sicherheit für alleinlebende Personen die zum Beispiel bei einem Sturz auf Knopfdruck direkt zu einem Callcenter verbunden werden und so Hilfe anfordern können – auch ein gutes Gefühl für ihre pflegenden Angehörigen!